Jubiläumsfeier 25 Jahre Vereinigung Medien-Panoptikum

Die Schweiz – Ein bedrohtes Kunstwerk

Gespräch zwischen den Generationen

Wie steht es mit dem Grundgerüst, mit unsern Institutionen, mit dem «Modell Schweiz», das frühere Generationen unter Opfern geschaffen und uns treuhänderisch übergeben haben?

Die menschengerechten demokratischen Grundrechte wie direkte Demokratie, Unabhängigkeit und Neutralität, die durch die Jahrhunderte die Politik der Schweiz bestimmt haben, werden heute von einflussreichen Kreisen, nicht zuletzt von Bundesrat und Teilen des Parlamentes teilweise in Frage gestellt. Was soll an die Stelle der bewährten Werte gesetzt werden? Der heute viel zitierte «Wertewandel» ist im Grund ein schönfärberischer Begriff für «Werte-Abbau», «Werte-Auflösung».
Die Geschichte beweist es, Demokratie ohne festes Wertegerüst ist dem Untergang geweiht.
Welche Werte sind wieder im Kommen und können uns Hoffnung für die Zukunft geben?
Wir freuen uns auf ein lebhaftes, offenes Gespräch, das nach dieser Tagung weitergehen soll.

In einer Demokratie geschieht letztlich das, was das Volk in seiner Mehrheit meint und will.
Was es aber meint und will, hängt von den Informationen ab, die ihm vermittelt oder vorenthalten werden.
Prof. Dr. M. Kriele, Köln

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3 Herbert Meier:
Sind Schweizer Freiwild?
Die Antirassismus-Falle

7 Drei Generationen im Gespräch:

Prof. Dr. Eduard Stäuble, St. Gallen
Sylvia Flückiger, Aargauische Grossrätin
Vizepräsidentin SVP Schweiz
Pirmin Müller, Präsident JSVP Luzern
Patrick Freudiger, Stadtrat Langenthal

13 Nachwort von R. Burger:
Schweiz, Europa wohin?
16 Sylvia Flückiger
Die Schweiz ist etwas Besonderes, etwas Einzigartiges
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25 Jahre Medien-Panoptikum
Schloss Habsburg, 14. Oktober 2006

Herbert Meier:

Sind Schweizer Freiwild?

Die Vereinigung Medien-Panoptikum hat sich seit ihrer Gründung im Jahre 1981 für die Freiheit im Reden und Denken eingesetzt. Diese Grundwerte der Menschenwürde sind seither mehr und mehr unter Beschuss gekommen. Die Feinde der Meinungsfreiheit, die sich scheinheilig als Wächter der Menschenrechte aufspielen, sind die eigentlichen Verächter dieser Werte geworden.

Wenn von Meinungsfreiheit in der Schweiz die Rede ist, muss über das Antirassismusgesetz gesprochen werden, nicht erst seit der Türkeireise von Bundesrat Christoph Blocher, erklärte Herbert Meier, Präsident der Vereinigung Medien-Panoptikum in seiner einleitenden Rede zur 25-Jahr-Feier auf der Habsburg.

Das Antirassismusgesetz hat zur Diskriminierung der Schweiz und der Schweizer geführt, zu einem Rassismus gegen das eigene Volk.
Bekanntlich haben in den vergangenen Jahren einige Verfahren stattgefunden, in denen Schweizer versucht haben, sich gegen Beschimpfungen der Schweiz und von Schweizern zur Wehr zu setzen. Jedes Mal wurde die Strafanzeige oder Klage in hohem Bogen abgeschmettert. Die Begründung der Richter: «Das Antirassismusgesetz (ARK) schützt die Schweizer und ihre Bürger weder vor Beschimpfung, Beleidigung noch Hetze, da es sich, gemäss juristischer Spitzfindigkeit bei der Schweiz weder um eine «reine» Ethnie noch Rasse handelt. Die mehr als groteske, absurde, ja perverse Konsequenz ist die Folgende: Gegenüber der Willensnation Schweiz werden durch das ARG ethnisch und rassisch «reine» Nationen privilegiert, die Schweiz und die Schweizer hingegen werden diskriminiert.

Das Antirassismusgesetz hat jene Doppelmoral zementiert und gesetzlich verankert, ja geradezu institutionalisiert, die man uns seit den achtundsechziger Jahren mit aller Gewalt aufzwingen will.

Diese Doppelmoral ist die Grundlage jener «Political Correctness», die das Meinungsspektrum rechter und konservativer Demokraten ausgrenzen und politisch erledigen will. Das Antirassismusgesetz lädt zu politischem Missbrauch geradezu ein. Political Correctness ist zu einem Mittel geworden, um unbequeme Meinungen auszugrenzen.

Das Antirassismusgesetz hat zumindest faktisch wieder Bücherverbote eingeführt, und dies für mündige Bürger, nach über 700 Jahren Humanismus, 400 Jahren Aufklärung und über 200 Jahren «Liberalismus».

Als «ratio legis» der Antirassismusnorm werden der Respekt und der Schutz der Menschenwürde jedes einzelnen Menschen aufgeführt. Doch Menschenwürde ist bekanntlich unteilbar, ob nun der Mensch einer ethnischen Minderheit oder Mehrheit angehört. Diese «Begründung», die sehr nach einer politischen Ausrede klingt, macht die Sache nur noch skandalöser, die Perversion des Denkens von Recht und Gerechtigkeit nur noch grösser.

Da Politik bekanntlich «die Kunst des Möglichen» ist, mag man sich gegenwärtig darüber unterhalten, wie dieses Gesetz «verbessert» werden könnte. Wir aber sagen, was wir immer gesagt haben: Dieses Gesetz kann nicht verbessert, es muss aufgehoben und ersatzlos gestrichen werden. Es ist im Ansatz und vom Grundsatz her völlig verfehlt, ja abwegig, gefährlich und schändlich. Es widerspricht zutiefst und von allem Anfang einem freiheitlichen Rechtsempfinden und ebenso sehr einer solchen Staatsauffassung.

Was wir brauchen, ist ein wirklich freiheitliches Regime im Bereich von Meinungsäusserungen, etwa nach dem Vorbild des ersten Verfassungszusatzes in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort duldet man im Interesse einer möglichst umfassenden Meinungsfreiheit auch die dümmsten und abwegigsten Meinungen, ohne damit das Gemeinwohl im Geringsten zu gefährden.

Begonnen hat die Tätigkeit der Vereinigung Medien-Panoptikum mit der reinen Medienkritik. Heute geht es uns in erster Linie um den Erhalt von Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit. Es geht uns um den Erhalt der heute bedrohten freiheitlichen Staats- und Gesellschaftsordnung. Unser Dank gilt all denen, die sich mit uns, neben und vor uns für diese hohen Ziele eingesetzt haben.
Für die Hilfe, die wir in all den Jahren in Form von materieller und geistiger Hilfe erfahren haben, danke ich Ihnen im Namen unserer Vereinigung ganz herzlich.

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Ein «Allzweck-Rassismus» als «Rassismuskeule»

Eine gewisse Soziologie versucht heute, mit einem abstrusen «Allzweck-Rassismus» den längst unbrauchbar gewordenen Begriff «Rassismus» für ideologisch-manipulative Zwecke zu «retten». Man unterschiebt dem Rassismus willkürlich einen völlig fremden Sinn, damit man ihn im politischen Kampf als wirkungsvolle «Rassismuskeule» verwenden kann, die sich ausgezeichnet zur Diffamierung Andersdenkender eignet.
Fremdenfeindlichkeit, Fremdenhass, Judenfeindschaft sind verwerflich. Das steht ausser Zweifel. Der Kampf gegen «Rassismus» und «Antisemitismus» beginnt aber damit, dass wir – wie es schon Konfuzius gefordert hat – unsere Begriffe in Ordnung bringen. Denn ein falsches Denken beginnt mit falschen Begriffen. Solange wir «Rasse» und «Rassismus» bedenkenlos in unserem Sprachgebrauch weiterverwenden, solange halten wir ein verfehltes Rassendenken am Leben. «Rasse» und «Rassismus» gehören als Unwörter ins nationalsozialistische Wörterbuch des Unmenschen.
Heute sind wir in der perversen Situation, dass die rabiatesten Antirassisten die schlimmsten Rassisten sind.
Die Menschheit ist trotz ihrer Vielfalt eine einzige Art. Biologisch gesehen sind die genetischen und kulturellen Unterschiede alles andere als etwas Negatives und Nachteiliges. Im Gegenteil: Die kulturelle Vielfalt ist der grösste Reichtum der menschlichen Art. Wir brauchen eine positive Sicht auf diese Verschiedenheiten innerhalb unserer Art. Sie ist nur möglich, wenn wir keine Rassenschranken mehr anerkennen.
Schliesslich ist das, was uns als Menschen verbindet, grösser als das, was uns unähnlich macht. Und darum ist jeder Rassismus, der ethnische Gruppen oder Völker höher einschätzt als andere, dumm und verwerflich.
Wenige Tage vor Hitlers Machtergreifung hat der als «entartet» verfemte deutsche Bildhauer Ernst Barlach in seinem Tagebuch notiert: «Es gibt nur zwei Rassen, die geistige und die ungeistige.»
Mag jeder für sich entscheiden, zu welcher er gehören möchte!

Prof. Dr. Eduard Stäuble

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Drei Generationen im Gespräch:


Prof. Dr. Eduard Stäuble, St. Gallen

Sylvia Flückiger, Aargauische Grossrätin
Vizepräsidentin SVP Schweiz

Pirmin Müller, Präsident JSVP Luzern
Patrick Freudiger, Stadtrat Langenthal

Die Schweiz ein Kunstwerk?

Im voll gefüllten Rittersaal des ehrwürdigen Gebäudes entspann sich ein Gespräch, das über die Wirren unserer schnelllebigen Zeit hinaus wies.

Rudolf Burger, einer der beiden Gesprächsleiter, stellte die Frage, ob die Schweiz tatsächlich ein Kunstwerk sei. Er bezog sich dabei auf eine Erklärung von Dr. Klaus Dohnany, ehemaliger bundesdeutscher Minister und Bürgermeister von Hamburg. In einem Interview von «Facts» war Dohnany gefragt worden, ob er glaube, dass die Schweiz innerhalb der EU eine Chance habe, als eigenständige Insel zu überleben. Dohnany erklärte, er wisse nicht, ob das für immer möglich sein werde. Doch eines sei sicher, so wie die Schweiz sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt habe, sei sie ein weltweit einzigartiges Kunstwerk. Die Schweiz dürfe man nicht der EU opfern, die EU müsse sich den Luxus der Schweiz leisten können, erklärte Dohnany dem erstaunten «Facts»-Journalisten.

Die Frage, ob die Schweiz ein Kunstwerk darstelle, richtete Burger an das Podium, an dem Vertreter von drei Generationen Platz genommen hatten. Was die zwei Vertreter der jungen Generation Patrick Freudiger (20), Stadtrat von Langenthal, und Pirmin Müller (28), Präsident der Jungen SVP Luzern, dazu erklärten, stellen wir an den Anfang der Diskussion.

«Die Schweiz ist im Grunde ein Vielvölkerstaat, der sich im Gegensatz zu andern freiwillig zusammengefunden hat. Die Freiwilligkeit ist wohl der Grund dafür, dass die Schweiz eine mehr als siebenhundertjährige Vergangenheit aufweist. Andere Vielvölkerstaaten wie z.B. Österreich-Ungarn usw., durch Zwang und Gewalt zusammengehalten, sind nach relativ kurzer Zeit auseinandergefallen. Auch die EU ist ein Vielvölkerstaat unter einer starken Zentralgewalt. Die Unterstellung der föderalistischen Schweiz unter ein Zwangsregime, wie es die heutige EU darstellt, wäre das Todesurteil für die Schweiz.

Sylvia Flückiger (54), Vertreterin der mittleren Generation, zeigte die Verwundbarkeit des Kunstwerkes auf. Die direkte Demokratie, das Fundament der Freiheitsrechte, ist den heute Regierenden ein Dorn im Auge. Sie empfinden die Mitsprache des Volkes als Hemmnis und versuchen die Volksrechte abzubauen. Anstelle der Meinungsfreiheit ist eine staatliche Meinungsmache getreten, die dem Grundgedanken der Eidgenossenschaft zutiefst widerspricht. Die Folge davon ist ein zunehmendes Desinteresse am Staat und an der Mitarbeit zum Wohle des Ganzen.

Die Neutralität – ein Eckwert der Schweiz

Die Frage an das Podium und an uns alle gestellt, lautet: Wie steht es mit der Neutralität? Wird sie unterlaufen durch den neuen Begriff einer «aktiven Neutralität»? Wird sie an oberster Stelle überhaupt noch ernst genommen? Hat nicht der frühere Bundesrat Adolf Ogi erklärt, «man müsse die Neutralität auf dem Altar der Vernunft opfern» und Thalmann, Schweizer Botschafter bei der Nato in Brüssel, hat in die gleiche Kerbe gehauen mit seinem Ausspruch, «die Neutralität werde nicht mehr gebraucht, man könne sie ruhig einschlafen lassen».

Welchen Stellenwert hat die Neutralität bei den Jungen von heute

Für die Schweiz als unabhängiger Kleinstaat ohne äussere Machtmittel gibt es im Grunde keinen andern Weg zum Überleben als den der Neutralität.
Es ist bedauerlich, dass Bern vom Grundsatz der Neutralität mehr und mehr abweicht. Wieso eigentlich von diesem bewährten Weg abweichen, der das Land von mörderischen Kriegen bewahrt und ihm zu Wohlstand verholfen hat, fragen die Jungen. Sie sehen den Grund darin, dass der «Wille mitzumischen, bei den Grossen dabei zu sein» eine immer grösser werdende Anziehungskraft auf die Regierenden in Bern ausübt.
Machtwille ist es nach der Einschätzung der Jungen, dem die Neutralität ein Dorn im Auge ist. Macht macht korrupt. Unsere Aussenpolitik sollte im Zeichen des Roten Kreuzes und der humanitären Hilfe stehen, erklären übereinstimmend die Podiumsteilnehmer.

Professor Stäubles Rezept zur Aussenpolitik

Die beste Aussenpolitik für die Schweiz ist, keine Aussenpolitik zu haben. Früher war es dem Bundespräsidenten untersagt, während seiner Amtszeit ins Ausland zu reisen. Heute reisen unsere Bundesräte überall hin, als ständen sie unter dem Zwang, als Vertreter eines Kleinstaates Weltpolitik betreiben zu müssen.

Auf die Diskussionen um den Völkermord an den Armeniern eingehend, erklärte Stäuble, es wirke lächerlich, wenn Politiker bestimmen wollen, was historisch wahr oder falsch sei. Dies solle man den Historikern überlassen. Im Hinblick auf Armenien solle jeder Schweizer denken und sagen können, was er wolle. Darüber braucht es keinen Stände- oder Nationalratsbeschluss.
Neutralitätspolitik ist etwas ganz einfaches. Sie besteht darin, dass man sich nicht in fremde Händel und Zwiste einmischt. Die Schweiz tut gut daran, sich vor voreiliger Parteinahme zu hüten. Die Einhaltung einer strikten Neutralitätspolitik ist der beste Schutz vor Verstrickungen und sie schafft auf lange Sicht Vertrauen, um bei Streitigkeiten als Vermittler beigezogen zu werden.

Armeefrage aus der Sicht der Jungen

Die Armee hat sich vom Volk entfremdet. Es ist bekannt, dass es Offizieren untersagt ist, eigene Meinungen über Sinn und Zweck der Armee zu äussern. Die geltende Meinung, von oberster Stelle ausgegeben, darf nicht mehr in Frage gestellt werden. Wer eine andere Meinung zu äussern wagt, riskiert «abgehalftert» zu werden. Kritik zur Annäherung an die NATO gehört dazu. Entgegen einstigen Versprechungen sollen Schweizer Milizsoldaten in Zukunft gezwungen werden können, ihren WK im Ausland zu absolvieren. Die in der Verfassung stehende Pflicht der Armee zur Verteidigung des Landes und seiner Bevölkerung soll aufgehoben werden. «Die autonome Verteidigung der Schweiz ist überholt», hat unser Armeechef ja selber erklärt und offiziell ist ihm bisher nicht widersprochen worden. Die bisherige Kampf- und Verteidigungsarmee soll nach der Reform 08/11 auf eine reine Bewachungsarmee zurückgestuft werden.
Der Zustand und die Zukunft der Schweizer Armee sei ein Desaster, eine Schande, wenn man bedenke, was sie einst gewesen sei, erklärte Freudiger.
Über Zweck und Sinn der Armee muss wieder offen diskutiert werden dürfen, nur so kann die bestehende Sinnkrise überwunden werden, das ist die Meinung der jungen Generation auf dem Podium.

Es ist 30 Jahre nach zwölf

Herbert Meier verweist auf das Damoklesschwert der verhängnisvollen demografischen Entwicklung unseres Landes. Die Bevölkerung der Schweiz (inbegriffen über 20 Prozent Ausländer) beträgt heute 7,5 Millionen. Diese werden knapp 5 Millionen Kinder, 3 Millionen Enkel und schliesslich 2 Millionen Urenkel haben. Das ist keine Prognose, sondern eine Tatsache. Die bedrohliche Bevölkerungsverminderung, die vor 30 Jahren begonnen hat, scheint unumkehrbar zu sein. Sie beruht darauf, dass heute im Durchschnitt eine Schweizerin lediglich 1,2 Kinder gebärt statt 2,1, wie zur Beibehaltung einer stabilen (Schweizer) Bevölkerung erforderlich wäre. Das heisst, dass bei der heutigen Geburtenrate die kommende Generation fast nur noch zur Hälfte ersetzt wird.

Das führt zu einem Vakuum, das durch die Einwanderung einer fremden Bevölkerung ausgefüllt werden wird. Die Schweizer Lebensart und Kultur wird überflutet und untergehen, wenn keine Wende eintritt.

Zukunftsperspektive

Vor der Wirklichkeit gibt es kein Entrinnen – Die Augen davor zu verschliessen, hilft nicht weiter. Es kommt auf die Einstellung gegenüber unumkehrbaren Entwicklungen an. An diesem Punkte angekommen, hilft im Grunde nur noch die Weisheit, die fähig ist, die Wahrheit zuzulassen und sich mit dem Unannehmbaren auszusöhnen.

Professor Stäuble verwies auf den Ausspruch von Friedrich Dürrenmatt, der einmal gesagt hat, die Schweiz werde sich eines Tages wie ein Stück Zucker im Wasser auflösen. Das war eine sehr kühne Aussage. Aber es gibt einen, der noch viel früher und noch viel kühner war – Gottfried Keller. Im Fähnlein der sieben Aufrechten lässt er den Zimmermeister Hedinger sagen:

«Wie es dem Mann geziemt in kräftiger Lebensmitte zuweilen an den Tod zu denken, so mag er auch in beschaulicher Stunde das sichere Ende des Vaterlandes ins Auge fassen, damit er die Gegenwart des Lebens im Vaterland umso inbrünstiger liebe. Denn alles ist vergänglich und dem Wechsel unterworfen auf dieser Erde. Oder sind nicht schon viel grössere Nationen untergegangen als wir es sind? Ist die Aufgabe eines Volkes gelöst, so kommt es auf einige Tage längerer oder kürzerer Dauer nicht mehr an. Neue Erscheinungen harren schon an der Pforte unserer Zeit. So muss ich denn gestehen, dass ich alljährlich einmal in stiller Nacht oder auf stillen Wegen solchen Gedanken anheim falle, und mir vorzustellen versuche, welches Völkerbild nach uns einst in diesen Bergen walten möge. Und jedes Mal gehe ich mit umso grösserem Einsatz an die Arbeit, wie wenn ich dadurch mithelfen könnte, den Auftrag meines Volkes in der zur Verfügung stehenden Zeit zu einem guten Ende zu bringen – damit jenes künftige Völkerbild mit Respekt über unsere Gräber gehe.»

Stäuble schloss seine eindringliche Rede mit der Hoffnung, dass die junge Generation dafür sorge, dass diese Prophezeiung von Gottfried Keller möglichst lange nicht eintrifft.

Rudolf Burger fügte bei, es könne sein, dass die Schweiz einmal untergehe. Doch das, was sie hinterlassen werde, sei ein Kunstwerk, wie es zu Beginn dieser Diskussion dargestellt worden sei. Eine funktionierende, direkte Demokratie ist das, was die Völker wollen und ersehnen. Wir müssen uns mit dem Ausstreuen des Samens begnügen. Niemand weiss, wohin der Same fällt.
Doch wo er auch hinfällt, irgendwo und irgendeinmal wird er zu keimen beginnen.

Das ist unsere Hoffnung und dafür lohnt sich jeder Einsatz.

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Nachwort von R. Burger:

Schweiz, Europa, wohin?

Der Winter will nicht kommen. Der Herbst dauert an. Das Klima auf unserm Planeten verändert sich spürbar – auch das politische Weltklima ist in Veränderung begriffen. Eine politisch-wirtschaftliche Gewichtsverschiebung kündigt sich an. Wird daraus eine Weltordnung von mehr Gerechtigkeit, von mehr Freiheit und Geist hervorgehen, oder wird es eine Ordnung sein, die auf Zwang und Unterdrückung beruht? Vieles deutet darauf hin, dass es ein Machtkampf sein wird, der mit Mitteln ausgetragen wird, die wir heute erst erahnen können.

Europa war einst Wiege und Ausgangspunkt einer Kultur, die die Welt verändert hat. Auch wenn das Gerangel um Macht und Einfluss nie aufgehört hat, ist dadurch die Welt wohnlicher und menschlicher geworden.
Heute ist Europa daran, sich von seinem christlichen Erbe zu verabschieden. Europa ist zum Rad geworden, das glaubt, ohne Mitte, ohne Nabe auskommen zu können. Die Geschichte zeigt, dass Völker ohne Mitte dem Untergang geweiht sind.

Auch das Haus der Schweiz hat Risse bekommen und es sind Dachschäden vorhanden. Brutalitäten einer neuen Art finden Nährgrund. Andererseits erzeugt die stetige Abnahme des Vertrauens zwischen Regierung und Volk Vergiftungserscheinungen, die bis tief ins Mark der direkten Demokratie eindringen. Doch gerade heute müsste ein Zusammenrücken stattfinden, damit zerstörerische Einflüsse, die von aussen her immer stärker auf unser Land einwirken, bewältigt werden können.

Die Geschichte der Schweiz zeigt, dass es in Krisenzeiten mehrmals unerwartete Aufbrüche gegeben hat, die zu einem neuen gegenseitigen Verständnis und zu Neuanfängen geführt haben. Denken wir an die Kappeler Milchsuppe, denken wir an den Einsiedler vom Ranft, dessen Botschaft die damals zutiefst zerstrittenen Ratsherren so betroffen gemacht hat, dass sie sich innerhalb weniger Stunden einig wurden. Ein Neuanfang wurde möglich. Die Geschichte der Schweiz, die an ihrem Ende angekommen schien, konnte weitergehen.

Wie soll die Geschichte der Schweiz heute weitergehen? Kann das «Kunstwerk Schweiz» in die Zukunft hinüber gerettet werden?
Anstelle einer philosophischen oder theologischen Abhandlung soll eine wahre Geschichte stehen – die Geschichte des Mannes, der anfing, Bäume zu pflanzen. Er pflanzte vorwiegend Eichen, später auch Buchen. Niemand hatte ihm befohlen oder ihn aufgefordert, diese Arbeit zu tun. Es war eine innere Stimme, der er folgte. Mit grösster Sorgfalt, Jahr um Jahr, tat er seine Arbeit, indem er Samenkorn um Samenkorn der Erde anvertraute.
Auf öden Hochflächen begann neues Wachstum. Nach und nach wurden aus Keimlingen kleine Bäume, und diese entwickelten sich zu Wäldern. Quellen begannen zu fliessen. Bisher unbewohnbare Gegenden begannen sich zu bevölkern. Ein verlorener Landstrich lebte neu auf.

Der Autor der Geschichte des einfachen Bauern, Elzéard Bouffier, schreibt: «Wenn ich bedenke, dass ein einziger Mann mit beschränkten Kräften genügt hat, um aus einer Wüste ein neues Land Kanaan zu machen, dann kann ich nur staunen.»

Es tut nichts zur Sache, dass die von Bouffier gepflanzten Eichen- und Buchenwälder heute nur noch vereinzelt aufzufinden sind.
Die französische Armee hat das Land in Beschlag genommen und es verwüstet. Atomraketensilos, Schiessplätze und riesige Ölreservoirs sind an die Stelle der von Bouffier gepflanzten Bäume getreten.

Jean Giono, der die Geschichte des Bauers Bouffier in Worte gefasst hat, schliesst seine bewegende Erzählung mit dem schlichten Satz: Was ich aufgeschrieben habe, ist die Geschichte, wie Wunder auch heute möglich werden. Auch wenn das Werk Bouffiers ein Ende gefunden hat, bleibt das, was er getan hat, als ein Zeichen der Hoffnung für alle Zeiten glaubhaft und wahr. Geben wir uns damit zufrieden. Der Geist der Sache hat sein Genügen in sich.

Diese Hoffnung bleibt uns. Wir alle können doch Bäume pflanzen, Bäume der Hoffnung jedweder Art. Und jedes Bäumlein, das wir setzen, enthält eine Hoffnung für die Welt von morgen.

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Die Schweiz ist etwas Besonderes, etwas Einzigartiges. Stehen auch wir heute entschieden und mutig ein für die Werte, die im Bundesbrief enthalten sind:
– für die direkte Demokratie, wie sie sich in unserem Land entwickelt hat;
– für eine Schweiz, die jeder Machtpolitik entsagt und deshalb ihren eigenen Weg gehen darf;
– für eine Schweiz, die mit dem roten Kreuz ihren Beitrag leistet für die Linderung von Leiden und Not in der Welt.
Bleiben wir weltoffen, aber verschenken wir unsere hart erworbenen Grundrechte nicht. Denken wir daran, was wir unsern Vorfahren, aber auch vor allem den kommenden Generationen schuldig sind. Wir müssen uns verbünden und uns gemeinsam mit aller Kraft dafür einsetzen, dass unsere Rechte und unsere direkte Demokratie erhalten bleiben, und unser Volk und unser Land respektiert werden.
Nehmen wir unsere Verantwortung wahr. Führen wir diesen Kampf mit Herzblut und voller Überzeugungskraft, und bewahren wir unsere Freiheit, so wahr uns Gott helfe.

Sylvia Flückiger