Im März 1981 erschien die erste Nummer des «Medien-Panoptikums» auf hellgrünem Papier. Es war ein Protest gegen den neuen Journalismus-Begriff, den Radiodirektor Andreas Blum in Form von zehn Thesen lanciert hatte.
Inhalt der Blumschen Thesen:
Gemäss Blum hat der Journalist kritisch zu sein, kritisch nicht im Sinne der Umgangssprache, also abwägend, vergleichend, prüfend, sondern in einem Sinn, der die bestehende bürgerliche Gesellschaft grundsätzlich in Frage stellt. Die bestehende Gesellschaftsordnung bezeichnete Blum als eine «Scheinordnung», die es zu entlarven gelte. Der Journalist habe die Aufgabe, den «Lack polierter Fassaden abzukratzen», er habe die bestehenden Verhältnisse nach Konfliktpotentialen abzuklopfen und wenn er fündig geworden sei, gelte es, diese Konflikte anzuheizen, kurz, der Journalist müsse «Unruhestifter» werden.
Die Blumschen Thesen blieben nicht auf dem Papier stehen, Blum ging daran, sie in seinem Einflussbereich, also dem Radio, umzusetzen. Der neue Stil wurde vollumfänglich auch vom Schweizer Fernsehen übernommen. Der neue Journalismus-Begriff blieb jedoch nicht auf Radio und Fernsehen beschränkt, er breitete sich auf alle Medien aus.
Es entstand der Medienverbund, der unsere halbstaatlichen elektronischen Medien und einen Grossteil der führenden Printmedien umfasst.
Anmassender Medienverbund
Der neue Journalismus-Begriff, der sich nicht mehr allein mit der Wiedergabe des politischen Geschehens befasst, sondern sich selber als Mitspieler betrachtet, hat alle Medien erfasst. Der Medienverbund, der unsere halbstaatlichen und privaten elektronischen Medien und praktisch alle führenden Printmedien umfasst, bestimmt heute weitgehend die politische Agenda und legt fest, was politisch korrekt oder eben nicht korrekt ist. Diese anmassende Haltung, die mehr und mehr totalitäre Züge anzunehmen droht, empfinden wir von der Vereinigung Medien-Panoptikum als eine Herausforderung, die nach einer neuen Zielsetzung verlangt.
An der Hauptversammlung vom 18. April 1996 wurde die Zielsetzung unserer Vereinigung den neuen Gegebenheiten angepasst.
Artikel 2 «Ziele» lautet neu:
Die Vereinigung Medien-Panoptikum setzt sich ein für die Freiheit und Vielfalt der Meinungen in unserer Gesellschaft. Mit ihren Aktionen und Publikationen will sie Desinformation und Meinungsmanipulation bei Radio und Fernsehen und Massenpresse anprangern und durchschaubar machen.
Political Correctness als Mittel zur Kanalisierung des Denkens
Im Anschluss an die Hauptversammlung vom 18. April 1996 hielt Chefredaktor Dr. Paul Ehinger sein vielbeachtetes Referat zum Thema «Political Correctness», das in Form unserer Broschüre betitelt «Herrschaft durch Sprache» eine weite Verbreitung gefunden hat. Er rückte damit eine unheilvolle, aus Amerika stammende, bisher wenig beachtete Entwicklung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Political Correctness ist eine Medienpflanze mit Wuchereigenschaften. Sie beruht auf einer Sprachregelung, die wie von selbst fast über Nacht von allen einschlägigen Medien übernommen worden ist. Der Begriff des sogenannten «Korrekten Denkens» ist in steter Ausdehnung begriffen. Weite Gebiete der Politik sind heute überhaupt nicht mehr diskutabel. Sie sind durch die «politische Correctness» buchstäblich tabuisiert worden. Unerwünschte Ansichten und Gedanken werden auf diese Weise eliminiert. Letzten Endes geht es um Herrschaft und Macht durch Sprache.
Als Gralshüter der neuen Sprachregelung dulden die Medien keine Abweichungen. Mit Hilfe rhetorischer Kunstgriffe gelingt es ihnen, politische Gegner zum vornherein Schachmatt zu setzen. Auffallen muss, dass die von der 6Ber-Bewegung geprägte Linke die "politische Korrektheit" gegenwärtig als alleinige Domäne besetzt hat und sich von daher als moralische Instanz in Inhalt und Stil gebärdet.
In besonderen Masse hat sich die "Politische Correctness" auf dem Gebiet des Feminismus, der Ausländer- und Asylpolitik ausgebreitet. Aber auch um den Begriff des Rassismus hat sie reiche Blüten getrieben. Die Partei, die die grössten Stimmengewinne zu erzielen vermochte, als "politisch unkorrekt" abgestempelt und in die Extremismus Ecke abgeschoben werden sollen. Konsensfähig und damit "gut" sind jene, die bereit sind, sich der Meinung der politischen Korrektheit zu unterziehen, "böse" dagegen jene, die den Mut haben, eine eigene Meinung zu vertreten.